San Diego Gophernatter beim Schlupf.
Die Gattung Pituophis Holbrook, 1842
Gemeinsamkeiten

Viele Arten- bzw. Unterartenparameter der Gattung Pituophis unterscheiden sich in keiner Weise oder nur geringfügig. So wäre es nicht effektiv, bei jeder Beschreibung, alles nochmals zu wiederholen.
So ist diese Seite grundsätzlichen Gemeinsamkeiten aller Bullennattern (und mit Bullennattern meine ich im Weiteren die gesamte Gattung) vorbehalten.

Aktuelle Systematik
Beim Betrachten der aktuellen Systematik orientiere ich mich an der TIGR-Reptiliendatenbank (ehemals EMBL, Link). Die dort hinterlegte Systematik ist noch nicht um die aktuelle Arbeit von BURBRINK & LAWSON 2007 ergänzt. Gehe ich also aktuell von 5 Arten mit insgesamt 18 Unterarten aus, gestaltet sich die augenblickliche Klassifizierung wie folgt ...
Familie Unterfamilie Gattung Art Unterart
Colubridae (Nattern) Colubrinae Pituophis melanoleucus melanoleucus
mugitus
lodingi
catenifer catenifer
affinis
annectans
bimaris
coronalis
deserticola
fuliginatus
insulanus
pumilus
sayi
vertebralis
ruthveni
deppei deppei
jani
lineaticollis lineaticollis
gibsoni
Verbreitungsgebiet
Das riesige Verbreitungsgebiet der Gattung Pituophis erstreckt sich über die gesamte USA; Teile Südkanadas; Teile Mexikos und einem kleinen Teil Mittelamerikas; nämlich Guatemala. Einige Unterarten sind auf den dem südlichen Kalifornien und den Mexikos vorgelagerten Inseln zu finden. Einzig der Norden Ostamerikas, Teile des mittleren Südens und Teile des Nordens der USA sind sehr wenig oder garnicht von dieser Schlange besiedelt.
Verbreitung in Nordamerika Verbreitung in Mittelamerika
Pituophis catenifer
Pituophis ruthveni
Pituophis melanoleucus
Pituophis catenifer
Pituophis deppei
Pituophis lineaticollis
Grösse
Die Grösse der Bullennattern ist genauso variabel, wie ihr Verbreitungsgebiet. So steht z. B. der kleinste Vertreter, Pituophis catenifer pumilus mit etwa 80 cm Körperlänge, dem Goliath dieser Art, Pituophis catenifer sayi, mit einer "bis zu" Länge von imposanten 260 cm gegenüber.
Die Länge der Art Pituophis melanoleucus variiert zwischen 160 bis 210 cm. Hier ist es die Unterart Pituophis melanoleucus melanoleucus, die am längsten wird.
Bei den mexikanischen und mittelamerikanischen Vertretern werden Körperlängen zwischen 120 cm und 170 cm erreicht.
Natürlich gibt es, wie bei jeder Schlangenart, bei der Gesamtlänge auch Ausreisser. So habe ich einmal Bilder einer Pit. cat. sayi gesehen, die jegliche Vorstellung von einer normal grossen Bullennatter gesprengt hat.
Beschreibung
Bullennattern haben einen kräftigen, stämmigen Körperbau. Der Kopf setzt sich, speziell bei der Art Melanoleucus, nicht sehr deutlich vom Körper ab. Dieser gedrungene Eindruck, wird durch das sehr kräftigen Schnauzenschild noch verstärkt. Der Kopf erscheint von oben her gesehen fast dreieckig.
Bei allen anderen Unterarten ist der Kopf etwas deutlicher vom Körper abgesetzt. Nicht ganz so kräftig und damit die Ausnahme, bildet Pit. cat. pumilus - als kleinster Vertreter der Gattung Pituophis aufgrund ihrer Größe. Wobei man auch hier den Eindruck einer kräftigen Schlange bekommt, wenn man sie mal in der Hand hält.
Das liegt aber sicher auch daran, dass sie - wie übrigens alle Bullennattern - stark gekielte Schuppen hat. Man kann sich bei einer Berührung des Eindrucks eines Reibeisens nicht erwehren. Durch Bewegungen der Schlange wird dieser Eindruck noch verstärkt.
Die mexikanischen und mittelamerikanischen Verteter der Bullennattern haben einen etwas schlankeren Körperbau. Ein weiteres Unterschiedungsmerkmal sind bei den "Mexikanern" und "Mittelamerikanern" die 2 Vorderaugenschilder, im Vergleich zu 4 Vorderaugenschildern bei den "Amerikanern". Das ist übrigens eines der wenigen morphologischen Unterscheidungsmerkmale zwischen "Nord" und "Süd".
Die meisten Angehörigen der Art Catenifer sind relativ schwierig auseinanderzuhalten. Die Grundfärbung ist in vielen Fällen ähnlich oder gar gleich und oft überschneiden sich die Verbreitungsgebiete der einzelnen Unterarten. So z.B. bei Pituophis catenifer deserticola, Pituophis catenifer affinis und Pit. cat. sayi. Erschwerend kommt hinzu, dass sich, speziell in diesen sich überschneidenden Verbreitungsgebieten, die Unterarten auch untereinander verpaaren. Plötzlich haben wir Merkmale von zwei Unterarten in einem Exemplar vereint. Wer kommt da nicht durcheinander. Zumal die meisten Unterarten der Bullennattern für die meisten Menschen sowieso alle gleich aussehen (das musste ich mir schon sehr oft sagen lassen).
Die gleiche Situation haben wir bei der Art melanoleucus und dort im Besonderen zwischen den Unterarten Melanoleucus und Mugitus.
Und genauso ist es bei den Arten Lineaticollis und Deppei. Beide Unterarten von Deppei kommen in einem Gebiet vor, dass sich in vielen Bereichen deutlich überschneidet. Dann haben wir da noch Pituophis lineaticollis lineaticollis, deren Vorkommen auch in das Biotop der beiden vorher beschriebenen fällt.
Die Grundfärbung der Bullennattern reicht von einem hellen, manchmal schmutzigen Weiss, bis hin zu einem kräftigem Gelb. Den farblichen Abstufungen dazwischen sind fast keine Grenzen gesetzt. Die amelanistischen oder leuzistischen Bullennattern haben eine deutlich blassere Grundfärbung.
Die Farbe der Sattelflecken reicht von einem intensiven Lackschwarz bis zu einem kräftigen Rot. Bei den schon oben erwähnten Farbvarianten ist die Farbe der Sattelflecken deutlich intensiver. Ein kräftiges Orange oder Gelb ist keine Seltenheit.
Erwähnt werden sollen an dieser Stelle noch die Farbbesonderheiten (nicht melanistische und leuzistische) bei den Bullennattern. Von verschiedenen Unterarten, wie z. B. Pituophis melanoleucus mugitus oder Pituophis melanoleucus lodingi, gibt es sogenannte "patternless" Exemplare. Das bedeutet, dass solche Tiere entweder gar keine oder nur angedeutete - also kaum sichtbare - Sattelflecken haben. Ihre Grundfärbung entspricht aber den "normal" gefärbten Bullennattern.
Eine weitere Zeichnungsbesonderheit sind längstgestreifte Exemplare. Hier ist es z. B. Pituophis catenifer catenifer oder Pituophis catenifer annectans, die diese Besonderheiten aufweisen können. Diese Tiere haben, wie oben schon beschreiben, keine Sattelflecken, sondern stattdessen Längsstreifen. Diese Streifen entsprechen von der Färbung her, den Sattelflecken. Die Grundfärbung dieser Tiere entspricht wieder den normal gezeichneten Artgenossen.
Das Afterschild ist ungeteilt und die Schuppen aller Schlangen der Gattung Pituophis sind stark gekielt.
Biotop
Bullennattern werden sowohl in Bergregionen, als auch in flachen Ebenen angetroffen. Steppengebiete werden genauso in Besitz genommen, wie ausgedehnte Wälder.
Natürlich hat die ein oder andere Unterart ihre bevorzugten Aufenthaltsorte, aber im grossen und Ganzen kann man es auf oben beschreibenen Nenner bringen.
Man findet sie praktisch überall - mit Ausnahme von Feuchtgebieten (zumindest nicht über einen längeren Zeitraum). Sie macht auch nicht vor stark besiedelten Gebieten halt. Überall dort, wo es genügend zu fressen gibt, ist sie auch zu finden.
Empirische Daten zeigen auf, dass sie wohl die Schlangengattung ist, die sich innerhalb der Vereingten Staaten von Amerika am stärksten etabliert hat.
Haltung
Bullennattern sind normalerweise problemlose Pfleglinge. Ausnahmen gibt es immer, aber hier haben wir auf den ersten Blick keine. Das Thema Futter wurde ja schon als nicht speziell abgehandelt.
Einzig die Tatsache, dass die mexikanischen und mittelamerikanischen Bullennattern keine höheren Haltungstemperaturen brauchen, mutet ein wenig ungewöhnlich an. Tatsächlich ist es so, dass diese Unterarten genauso gehalten werden müssen, wie die Nordamerikaner.
Höhere Temperaturen verursachen sogar Probleme. Diese äußern sich in einer höheren Nervosität, Futterverweigerung und/oder Futtererbrechen. Ausserdem ist bei zu hohen Temperaturen eine Paarung in Frage gestellt.
Generell brauchen Bullennattern ein geräumiges Terrarium. Ein Napf, in dem sich immer frisches Wasser befindet, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Bullennattern sind tagaktiv, aber brauchen trotzdem eine oder mehrere Unterschlupfmöglichkeit(en), um sich bei Bedarf zurückzuziehen.
Dabei sollten diese Tiere nicht zu einer höheren Temperatur dadurch gezwungen werden, dass z. B. unter dem Unterschlupf eine Heizmatte installiert ist oder der Unterschlupf den ganzen Tag mit einem Heizstrahler angestrahlt wird. Langfristig werden sie den Tieren dadurch nichts Gutes antun.
Schaffen sie im Behälter lokal ein Möglichkeit für das Tier, sich mit Wärme "aufzutanken". An der Stelle kann die Temperatur gerne mal 30 - 32 Celsius haben. Sollte es den Tieren zuviel werden, ziehen sich ganz sicher auf einen kühleren Platz (mit Unterschlupf) zurück. Direkt nach einer Fütterung werden sich Bullennattern oft im Bereich einer Wärmequelle aufhalten.
Zucht und Aufzucht
Die Nachzucht der Tiere der Gattung Pituophis ist sich im Grossen und Ganzen ziemlich ähnlich. In aller Regel ist ein Winterschlaf oder eine Winterruhe Voraussetzung für eine erfolgreiche Nachzucht.
Natürlich werden auch Nachzuchten ohne diese Voraussetzungen erzielt, aber ich glaube, dass die Schlange dadurch auf Dauer Schaden erleiden wird. Ich denke, dass diese Ruhephasen zum Leben dieser Schlangen gehört.
Je nach Vorkommen ist diese Ruhephase mehr oder weniger lang. Bei Temperaturen zwischen 5° und 10° Celsius verbringen die Tiere bis zu 3 Monate im Winterschlaf.
Nach dem Winterschlaf und einer erfolgreichen Paarung, werden zwischen 4 und 35 Eier abgelegt. Zwischen 40 und 120 Tage später schlüpfen dann die Jungtiere.
Weitere Erläuterungen zur Zucht findet sich dann bei den Einzelbeschreibungen.
Besonderheiten
An dieser Stelle auf Besonderheiten einzugehen, bedeutet, den individuellen Beschreibungen dieses Thema zu entziehen. Aus diesem Grund erfahren sie mehr zu diesem Thema, bei den Einzelbeschreibungen.